12. Juni 2015

Apple WWDC15 – die Entwicklerin dankt

wwdc

Am Montagabend hat Apple seine Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco eröffnet. Im selben Konferenzzentrum wie kurz zuvor Google waren nun Tim Cook und seine Softwarespezialisten an der Reihe, die Apple-Entwickler-Community mit Neuigkeiten zu versorgen. Aus Sicht von Manuela Schrenk, Head of iOS bei Kupferwerk, hat Apple endlich unter der Oberfläche aufgeräumt und ein paar spannende Weichen für die Zukunft gestellt.

 Frühjahrsputz bei Apple. Besonders bei iOS war das auch dringend nötig. Nachdem mit iOS7 die Oberfläche komplett umgekrempelt und bei iOS8 im System darunter kein Stein auf dem anderen gelassen wurde, ist iOS9 Balsam für die Entwicklerseele. Einen ersten, aber deutlichen Hinweis auf die Arbeiten unter der Haube bietet die Reduzierung der Installationsgröße um mehr als die Hälfte auf unter 2 GB – ohne groß Funktionen zu streichen.

Eine der spannendsten Neuerungen aus meiner Sicht ist das Thema Proaktivität im Frontend. Aus einer doch eher einfältigen Siri wird beispielsweise ein mitdenkender Assistent – Vorschläge und Entscheidungen werden kontextabhängig gestaltet. Um hierfür auch entsprechend viele Kontextdaten sammeln zu können, hat Apple eine API für den Datenaustausch zwischen Apps und iOS eingeführt. Das heißt, dass jetzt Suchen mit Deeplinks in Apps „hinein“ möglich sind. Dabei stellt sich die Frage, ob in Zukunft überhaupt noch native Suchen in Apps implementiert werden müssen.

Neue Apps für Anderswo

 An der App-Front hat sich gerade aus deutscher Perspektive nicht viel getan. Apple Pay wird zukünftig auch in Großbritannien angeboten – ich bin gespannt, wann es nach Deutschland kommt. Warum? In den USA haben sich die In-App-Käufe mit der Einführung von Apple Pay verdoppelt. Daneben wird Passbook in Wallet umbenannt und kann dem Namen folgend nun alles speichern, was auch im echten Geldbeutel aufbewahrt wird: Kreditkarten, Kundenkarten, Tickets, etc. Auch Maps und Notes erhalten ein paar sinnvolle Verbesserungen und Newsstand bekommt einen thematischen Bruder an die Seite gestellt: die neue News-App im Stil von Flipboard, News Republic und Co. Das dürfte Verlagen neue Möglichkeiten im Bereich des Digital Storytelling eröffnen, allerdings bleibt dies vorerst auf die Märkte USA, UK und Australien beschränkt.

Die Einführung von Multitasking auf dem iPad ist insbesondere für Konzepter und Designer eine Änderung mit Folgen. Die Zeiten von pixelgenauem Design sind mit der Einführung des Splitscreens vorbei. Die vor einiger Zeit eingeführten Size-Classes und relativen Layout-Mechanismen müssen jetzt eingesetzt werden, wenn man seinen Kunden keinen grafischen App-Unfall bieten möchte. Das wird der Entwicklung von Universal Apps Auftrieb geben, da jetzt auch auf dem iPad sowohl Pad- als auch Phone-Layouts benötigt werden.

Evolution bei Swift und watchOS

 Die Ankündigung von Swift 2.0 als Open-Source-Programmiersprache hat im Publikum Jubelstürme ausgelöst. Es bleibt allerdings abzuwarten, was das für Konsequenzen für den Arbeitsalltag von uns Entwicklern hat – beispielsweise mit Blick auf Entwicklungszyklen. Der Übergang von Swift 1 auf Swift 2 sollte sich dank eines Integrators einfach gestalten – ich bin gespannt auf die offene Beta im Juli. Auch mit Blick auf die Einführung einer Zwischenkompilierbarkeit à la Bytecode bei Java. Die Vorkompilierung in den sogenannten Bitcode ermöglicht die Endkompilierung für verschiedene Systeme, öffnet allerdings auch die Möglichkeit des Reverse Codings – das sehe ich kritisch.

Mit Spannung erwartet wurde auch watchOS 2, das Betriebssystem für die Apple Watch – jetzt unter eigenem Namen. Native Apps versprechen bessere Performance und mehr Unabhängigkeit vom iPhone, aber wie das genau laufen wird, ist noch ungewiss. Wird es einen separaten App-Store für das Handgelenk geben? Inklusive eigenem Review-Prozess? Der Zugriff auf die Sensorik der Apple Watch eröffnet jedenfalls einen großen Reigen neuer Use-Cases. Ich bin gespannt, was zum Release von watchOS 2 im Herbst verfügbar sein wird. Bei Kupferwerk werden wir jetzt erst mal einen Blick in die Developer Kits werfen.

Das Beste zum Schluss?

Das „one more thing“ von dieser WWDC – Apple Music – war aus Entwicklerperspektive weniger spannend, aber ehrlicherweise bin ich darüber nicht wirklich traurig. Als private Apple-Nutzerin bin ich neugierig auf den Service, aber für mein professionelles Entwickler-Ich war das Aufräumen unter der Haube, die Vereinfachungen und die neuen Möglichkeiten mit iOS und watchOS aufregend genug.

Die Bildrechte für das Titelbild liegen bei Wil Sinclair.

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Tobias Oberndorfer press@intive.com
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