KRESS REPORT 05/2012 | Rainer Hüther lässt seine Agentur GoApp in der Regensburger Kupferwerk AG aufgehen. Sie soll die Nummer eins auf dem Markt für Profi-Apps werden.
Rainer Hüther hat gute alte Kontakte reaktiviert, um in der Digitalbranche an einem größeren Rad zu drehen: Er lässt seine Münchner Spezialagentur GoApp in der Regensburger Entwicklungsschmiede Kupferwerk AG aufgehen.
Der ehemalige COO im Vorstand der Constantin Media AG und einstige DSF-Geschäftsführer schließt sich dafür erneut mit den Kupferwerk-Gründern Matthew Ulbrich (Chief Product Officer des neuen Unternehmens) und Florian M. Steger (Chief Financial Officer) zusammen. 2007 hatte Hüther, damals noch als EM-Sport-Media-Vorstand, für das Unterföhringer Medienhaus 80% an der Kupferwerk AG gekauft. Den Großkunden Sport1 betreuen die Regensburger noch immer, allerdings kauften sie 2011 ihre Anteile zurück.
Jetzt sitzen die Ex-Geschäftspartner wieder in einem Boot – und das offensichtlich gut gelaunt. „Ich nehme ihnen ja in keinster Weise die eben zurückgewonnene Freiheit“, scherzt Hüther über seine Partner und Co-Geschäftsführer. „Wir haben als Gesellschafter die gleichen Anteile und ziehen als starkes Team an einem Strang.“ Zum Hintergrund: Erst im Dezember verschaffte sich Hüther bei der 2010 gegründeten GoApp Handlungsspielraum, indem er seinen Mit-Gesellschafter Dejan Josic aus der Agentur herauskaufte.
Ab sofort soll die neu formierte Kupferwerk AG selbstbewusst auf Kundenfang gehen, mit dem forschen Medienmanager Hüther als CEO. Künftig unterhält der Digital-Dienstleister neben dem Regensburger Hauptsitz ein Münchner Büro – und schon bald eine Niederlassung an der Spree. „Berlin ist ein enorm spannendes Umfeld“, sagt Hüther. „Die Szene dort pulsiert. Und es gibt in Berlin zum Glück viele Entwickler und Designer, die es für uns zu begeistern gilt.“ Am liebsten würde er nämlich über die Kupferwerk Büroeingänge ein großes „Wir stellen ein“-Schild nageln. „Die Anzahl der Entwickler ist der Engpass einer jeden Agentur“, so Hüther. „Wir wären bei GoApp personell zuletzt gar nicht weiter in der Lage gewesen, alle Projekte zu realisieren, die an uns herangetragen wurden“, bilanzierte er.
50 Mitarbeiter
Die Mannschaftsstärke ist daher eines der wichtigsten Pfunde, mit der Hüther wuchern möchte. Er gibt die Devise vom unabhängigen Marktführer für professionelle Apps aus. „Mit über 50 hoch qualifizierten Mitarbeitern verfügen wir über die größten Kapazitäten“, trommelt Hüther – und verkneift sich nicht Seitenhiebe auf Konkurrenten, die enge Vertragsbindungen beim Personal scheuen: „Unsere Mitarbeiter sind fest angestellt und sitzen auch bei uns in den Büros.“
Rund 100 Apps, darunter welche für Großkunden wie Audi oder Ringier, haben GoApp und Kupferwerk schon entwickelt. Für den intensiven Wettbewerb sehen sie sich gut gerüstet. „Der Markt entwickelt sich rasant. Im gleichen Maß steigen auch die Anforderungen an Agenturen, die professionelle Apps entwickeln“, sagt Hüther. Vor allem die Großkunden haben heute offenbar sehr genaue Vorstellungen davon, welche Ziele sie mit ihren Apps erreichen wollen. „Die Konzepte sind in den letzten zwölf Monaten deutlich komplexer und anspruchsvoller geworden“, berichtet Hüther. „Viele kleinere App-Agenturen erreichen rasch ihre Kapazitätsgrenzen.“
Große Wachstumshoffnungen setzt die Kupferwerk-Chefetage auf neuartige Anwendungen, etwa zur internen Kommunikation in Konzernen oder für den Außendienst großer Versicherungsunternehmen. „Der Markt der Inter-Company-Apps wird massiv wachsen“, prophezeit Hüther. Bei Medienhäusern löst dagegen immer öfter Realismus die Goldgräber-Hektik ab. „Hoch technisierte, Feature-getriebene Apps sind nicht wirklich das, was die Nutzer verlangen“, sagt Hüther und spielt damit auf Prestige-Apps wie „Wired“ oder „The Daily“ an. „Was allerdings auch nicht ausreicht sind PDF-Reader ohne aktuelle Inhalte oder Interaktivität“, gibt er als Faustformel aus. „Der Content selbst und die starken Medienmarken sind die wesentlichen Treiber – und nicht Eye-Candies.“
Dass zur persönlichen Erfolgsstrategie auch die Pflege der eigenen Marke zählt, wird Hüthers App-Kundschaft schon bald vor Augen geführt bekommen. Dem eingefleischten Fernsehmanager hätten bis vor Kurzem nur wenige eine Zukunft außerhalb der Bewegtbild-Branche vorhergesagt, doch er hat seine DNA in kurzer Zeit digital umprogrammiert. Mit dem Kupferwerk-Engagement wird ein rasches TV-Comeback unwahrscheinlich. Und Hüther immer glaubwürdiger, wenn er sagt: „Für mich ist Mobile spannender als Fernsehen.“
Rupert Sommer
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